Die neue Generation der jungen Wilden (1994 - 2001)
Anfang der 90er Jahre zeigte sich in vielen Vereinen, ob Sport oder Musik das gleich Bild: Fehlender Nachwuchs und das krampfhafte Bemühen, dem entgegenzuwirken. "Kinder sitzen lieber vor der Klotze oder dem Computer, als Sport zu treiben oder gar ein Instrument zu erlernen", war die landläufige Meinung. Warum ausgerechnet der Posaunenchor in dieser Situation eine Ausnahme war, ist kaum nachzuvollziehen.

Gleich eine ganze handvoll Jugendlicher stieß in dieser Phase zum Chor und belebten die Kapelle mit ihrem Talent und Ehrgeiz, an der Technik und Musikalität musste freilich noch gefeilt werden. Doch nicht nur das, mit ihrer Unbekümmertheit und ihrem jugendlichen Schwung sorgten sie für einen frischen Wind im Posaunenchor, ohne jedoch mit den "Alten" auf Konfrontationskurs zu gehen. Obwohl - ein paar Diskussionen gab es doch! Aber das gehörte dazu.

So konnten nicht nur Lücken in der Instrumentierung geschlossen oder andere Stimmen ergänzt werden, es entwickelten sich auch "Führungsspieler" und Solisten. Jürgen Baumann erkannte natürlich ihr Talent und förderte die Jungs entsprechen, forderte sie aber auch und ließ sie bei entsprechenden Gelegenheiten, z.B. bei diversen Konzerten, die Solostimmen spielen. Torsten Henzel, um nur einen zu nennen, legte darüber hinaus auch noch die Chorleiterprüfung ab und avancierte zum Vizedirigenten und später auch zum Dirigenten. Die jungen Wilden waren nicht nur musikalisch eine Bereicherung, auch bei der Organisation und Gestaltung der gemeinsamen Aktivitäten wie Ausflüge, Grillfeste und Adventsfeiern, brachten sie Engagement und neue Ideen ein (was natürlich manchmal mit Lärm verbunden war).

Stichwort Kreativität. Plötzlich gab es eine kleine Band, die Versuche in andere Stilrichtungen unternahm. Es gab sogar mehrere Auftritte, teilweise sogar mit Unterstützung aus dem Posaunenchor, doch sah man sich hier nicht als Abtrünnige oder Konkurrenz. Es war einfach nur der Spaß am Musizieren und am "Neues ausprobieren", der die "Ranzeplotzer" motivierte.

Ein Highlight war auf jeden Fall das Intermezzo auf der Brücke vor dem Bamberger Rathaus. Trotz des fehlenden Schlagzeugs und einer etwas eigenwilligen Interpretation bekamen die Musiker Applaus und sogar ein paar Mark in den Trompetenkoffer.

Dass "Ranzeplotze" inzwischen in dieser Form nicht mehr existiert, muss nichts Schlechtes heißen. Vielleicht greifen eines Tages ein paar neue junge Wilde diesen Faden wieder auf oder haben andere, noch bessere Ideen.

Die jungen Wilden von heute sind jedenfalls das Korsett für die Zukunft des Chores und warten darauf, ihr Können und ihre Erfahrung weiterzuvermitteln an die, die da noch kommen mögen, denn zur Zeit ist es um den Nachwuchs im Chor doch ein wenig ruhig geworden.