Gründerzeit (1951-1960)
Die Gründung eines Bläserchores wurde in den ersten Jahren nach dem zweiten Weltkrieg oft diskutiert, der Gedanke wurde aber immer wieder fallengelassen. Instrumente waren sowenig zu kaufen wie Notenmaterial, es gab gar keinen Markt. Es war aber wohl auch eine Zeitspanne der Besinnung und der Konsolidierung der Verhältnisse notwendig.

Im Jahre 1951 hat Pfarrer Wagner den Gedanken erneut aufgegriffen und einleitende Gespräche geführt. Angesprochen wurden zunächst "gestandene" Musiker, die früher vornehmlich in der "Kapelle Müller" aktiv waren. Hinzu kamen noch einige junge Leute, die da mittun wollten. Vor allem die Familie Habermehl hat sich sehr stark engagiert und die entscheidenden Impulse gegeben.

Am 15. November 1951 fand dann die erste Zusammenkunft statt, die Proben begannen und verliefen verheißungsvoll. Die Männer der ersten Stunde waren:
Valentin GebhardtRheinstr. (damals Im Eck)
Konrad HabermehlErnst-Ludwig-Str.
Karl Habermehl, sen.Ernst-Ludwig-Str.
Karl Habermehl, jun.Ernst-Ludwig-Str.
Georg HenzelRheinstr.
Georg KautzmannIm Eck
Friedrich KraftLudwigstr.
Georg HabermehlErnst-Ludwig-Str.
Heinrich KraftErnst-Ludwig-Str.
Hans RichtbergErnst-Ludwig-Str.


Die letztgenannten Gründungsmitglieder gehören heute noch aktiv dem Chor an.

Die musikalische Leitung übernahm Valentin Gebhardt, in Groß - Rohrheim und Umgebung seit Jahrzehnten bekannt als erfahrener Musiker mit beträchtlichem Können.

Man gab sich den Namen:
Evangelischer Posaunenchor Groß - Rohrheim


In der Zusammensetzung aus erfahrenen Routiniers und jungen Anfängern war eine recht gute Mischung gefunden worden.

In den ersten Proben wurde gezielt auf das Weihnachtsfest hingearbeitet, das ja unmittelbar vor der Tür stand. Am Heiligen Abend 1951, fand das erste öffentliche Auftreten des neuen Chores statt, wenn auch unter dramatischen Umständen. Vorgesehen war, um 20.00 Uhr "An der Kehr" am Gefallenenehrenmal Weihnachtslieder zu spielen. Mit einsetzender Dunkelheit fiel im ganzen Ort plötzlich der Strom aus, alles lag im Dunkeln. Ein Zustand, der sich die ganze Nacht nicht mehr änderte. Karbidlampen, Stalllaternen und batteriegespeiste Beleuchtungsquellen wurden aufgeboten und pünktlich um 20.00 Uhr machte der Chor sein Vorhaben wahr: durch die Dunkelheit erklangen Weihnachtslieder!

Am ersten Weihnachtstag wirkte der Posaunenchor zum ersten Mal im Gottesdienst mit, ebenso am zweiten Weihnachtstag und am Neujahrstag 1952.

Am 10. Februar 1952 wurde damit begonnen, Gemeindegliedern, die 80 Jahre oder älter wurden oder die Goldene Hochzeit feierten, ein Ständchen zu bringen. Dieser Brauch wurde gepflegt bis zum Jahre 1958.

Die Mitwirkung im Gottesdienst, vornehmlich an Fest- und Feiertagen, war zunächst die Hauptaufgabe.

Seit dem 23. November 1952 werden am Totensonntag nach dem Gottesdienst am Friedhof Trauerchoräle geblasen. Die Choralmusik begleitet Familien beim Besuch der Gräber ihrer verstorbenen Angehörigen.

Der 13. September 1953 brachte für den Chor einen großen Auftritt: In Biblis wurde die neuerbaute evangelische Kirche eingeweiht. Sowohl im kirchlichen als auch im nachfolgenden unterhaltenden Teil wirkte der Posaunenchor mit. Das war insofern ein Novum, als sich der Chor damit auch mehr zum Volksmusikalischen hin orientierte, während sich in den vergangenen Monaten die Probenarbeit fast ausschließlich auf den kirchlichen Bereich beschränkte.

Diese Bereicherung des Repertoires versetzte den Chor nun auch in die Lage, Verpflichtungen bei Ortsvereinen, z.B. anlässlich von Weihnachtsfeiern, Jubiläen und anderen Veranstaltungen zu übernehmen.

Die Chronik des Chores verzeichnet auch weiterhin eine sehr aktive kirchliche Tätigkeit wie Kurrendeblasen in den Ortsstraßen, Vortrag von Liedern am Ehrenmal zu Weihnachten, zu Ostern und auch an Pfingsten. Jahresausflüge, früher zusammen mit dem Kirchenchor im geselligen Kreis.

Am 1. März 1958 legte Valentin Gebhardt sein Amt als Chorleiter aus gesundheitlichen Gründen nieder, Nachfolger wurde Heinrich Kraft.